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Wie BEKTO Precisa ein teil der EMKA Gruppe wurde

Eine Geschichte über Mut, Fleiß und eine 40-jährige Freundschaft

Mit dem Kauf der Firma Bekto Precisa aus Goražde in Bosnien-Herzegowina hat EMKA einen weiteren Meilenstein seiner Unternehmensgeschichte bekanntgegeben. Die neue Firma wird unter dem Dach der EMKA Gruppe den Namen EMKA Bekto tragen. Damit nimmt eine Geschichte ihren Lauf, die 1989 begann, eine dramatische Wendung während des Bosnien-Krieges in den 90ern nahm, sich in den 2000ern zu einem „Wunder“ entwickelte und Stand heute zeigt, dass großer Wille und tiefe Freundschaft in Erfolg münden, wenn man nur fest genug daran glaubt.

Die heutige Firma EMKA Bekto fertigt in erster Linie Formen sowie Spritzgussteile für die Automobil und Elektroindustrie. Im Bereich Formenbau gehört das Unternehmen sogar zu den weltweit führenden Herstellern. EMKA selbst lässt dort seit vielen Jahren seine Formen für Kunststoffspritzguss und Zinkdruckguss fertigen. Mit der Übernahme wächst nun zusammen, was zusammengehört, wie die spannende Geschichte dieser Unternehmensentwicklung zeigt: Diese beginnt schon 1988. Redzo Bekto arbeitete in seiner Firma R&B Werkzeugbau in Wuppertal und belieferte EMKA mit Spritzguss-Formen. 1990 zog es Bekto zurück in seine bosnische Heimat Goražde. Sein Ziel: Der Aufbau eines eigenen Fertigungsstandortes für den Formenbau. So gründete Redzo Bekto 1990 in Goražde die Firma Bekto International d.o.o.

Friedhelm Runge lernte als Kunde für Spritzguss-Formen Redzo Bekto bereits in Deutschland kennen und erkannte sofort die starke Kompetenz sowie die Willenskraft von Redzo Bekto, etwas zu bewegen. Runge blieb Bekto als Kunde immer treu.

Mit der Fertigung von jährlich mehr als 900 Formen für den Kunststoffspritzguss und Zinkdruckguss ist EMKA Bekto einer der größten Formenbauer Europas.

Flucht ins Burgenland

Was damals niemand wissen konnte: Nur drei Jahre später schlug die Bosnische Geschichte ein dunkles Kapitel auf. 1992 begann der Bosnien-Krieg und sollte eine jähe Zäsur in der bis dato gut gestarteten Entwicklung der Firma Bekto International sein. Zwischen 1992 und 1995 war Goražde zwischen bosnischen Serben und Bosniern heftig umkämpft und beinahe von Beginn an belagert. Einige der unzähligen während des Krieges abgeworfenen Bomben trafen auch die Fertigungshallen in Goražde.

Redzo Bekto und 40 seiner Mitarbeiter mussten fliehen – quasi über Nacht – und nur mit dem, was sie am Leibe trugen. Friedhelm Runge ließ seinen unermüdlich ackernden Kollegen nicht hängen, finanzierte ihm allein aus privater Tasche die Flucht und den Neuaufbau der Firma Bekto International in Österreich, genauer gesagt in St. Michael im Burgenland – mit überführten und neuen Maschinen. Redzo Bekto wiederum sollte auch seinen Gönner Runge nicht enttäuschen und startete mit viel Fleiß von Neuem – wieder mit Erfolg. 1995 endete der Krieg; Redzo Bekto packte erneut die Sachen und ging mit Mannschaft und Maschinen zurück nach Goražde. Die Firma Bekto International war von nun an ein Joint Venture von Runge & Bekto

Friedhelm Runge (rechts) lernte als Kunde für Spritzguss- Formen Redzo Bekto (links) bereits in Deutschland kennen.

Ruhe nach dem Sturm

In den Folgejahren konnte sich die Firma endlich in relativ ruhigem Fahrwasser entwickeln, auch wenn die politischen Unruhen im Land noch nachhallten. Die Zusammenarbeit zwischen Bekto und Runge wurde immer intensiver, der Austausch freundschaftlicher. Teilweise gab Runge seine eigenen Formenentwürfe per Handskizze an seinen Freund weiter, der mit seinem außergewöhnlichen dreidimensionalen Denken die entsprechenden Formen herstellen ließ.

„Redzo Bekto ist ein Künstler im Formenbau“, erklärt Friedhelm Runge heute. „Seine Fähigkeiten in der 3D-Konstruktion sind virtuos.“ 2005 schließlich übernahm Runge nach 10-jährigem Joint Venture sämtliche Anteile an der BEKTO International d.o.o. und integrierte diese in die EMKA Gruppe. Bekto gründete zeitgleich seine neue Firma Bekto Precisa. Bis 2013 baute EMKA sein Werk in Bosnien immer weiter aus bis es buchstäblich aus allen Nähten platzte. Dann investierte EMKA nur wenige Kilometer entfernt vom bisherigen Standort für ein komplett neues Werk 11 Millionen Euro. Die Fertigung auf einer Produktionsfläche von jetzt 20.000 m² lief im September 2015 erfolgreich an

Gorazde während des Bosnienkrieges (1992-1995).

Das Wunder von Goražde

Einen hohen Bekanntheitsgrad erlangte Bekto Precisa mit dieser Geschichte durch den ARD-Bericht „Das Wunder von Goražde“, auch weil das Unternehmen ein außergewöhnliches Wachstum vorweist, von dem die gesamte Region seit Jahren stark profitiert. Mit heute 150 Mitarbeitern im Formenbau, davon 35 Ingenieuren für die Entwicklung, Konstruktion und CNC-Programmierung, und der Fertigung von jährlich mehr als 900 Formen für den Kunststoffspritzguss und Zinkdruckguss ist EMKA Bekto heute einer der größten und modernsten Formenbauer Europas. Der Maschinenpark mit über 140 Maschinen ist Garant für Top-Qualität und geringste Toleranzen. Darüber hinaus sind 70 Personen in der firmeneigenen Montageabteilung beschäftigt, die Sonderprodukte für externe Kunden sowie Baugruppen für die EMKA Gruppe montieren.

Mit der Übernahme wächst der weltweite Mitarbeiterstamm von EMKA auf rund 2.100 Kolleginnen und Kollegen. Dies unterstreicht die Ambitionen der EMKA Gruppe, ihr internationales Standortnetz weiter auszubauen. Dazu gehören jetzt zwei hochmoderne Werke am Standort Goražde. „Ohne die Vision und finanzielle Unterstützung von Friedhelm Runge wären die vergangenen 40 Jahre so nicht möglich gewesen. EMKA Bekto gäbe es heute nicht. Viele haben nicht mehr an uns geglaubt, mein Freund Friedhelm und wir selbst schon. Und das zahlt sich heute aus“, resümiert Redzo Bekto.

Formenbau
EMKA Bekto beschäftigt 150 Mitarbeiter im Formenbau.